AllgemeinEin Buch überarbeiten in 17 Schritten

Ein Buch überarbeiten in 17 Schritten

Ein Buch schreiben, das geht schnell. Zumindest gemessen an dem, was danach kommt. Denn, wie du ganz wahrscheinlich weißt, ist das Schreiben des Manuskripts nur der allererste Schritt, um ein Buch zu erschaffen.
Es kommen jede Menge Überarbeitungsphasen hinzu und die sind wahnsinnig wichtig, denn erst in diesen Phasen kann ein Buch wirklich seinen Weg gehen, reifen und zu etwas werden, das du deinen Leser:innen wirklich vorsetzen möchtest.
Ich habe meine Schritte einmal gezählt. Es sind 17 und ich möchte sie heute mit dir teilen.

Vorne weg: Ich schreibe und überarbeite inzwischen nur noch mit Scrivener. Meine Lektorin nutzt Word. In dieses Format kann ich aus Scrivener heraus ohne Weiteres exportieren.

1. Drüberlesen.

Letztendlich ist es egal, wann du es machst. Ich lese manche Kapitel einen Tag, nachdem ich sie geschrieben habe, und das gesamte Manuskript, sobald ich ENDE oder FORTSETZUNG FOLGT unter den Text gesetzt habe. Hier geht es für mich nur darum, den Entwurf grob zu erfassen und ein paar große Ungereimtheiten zu erkennen. Aber ich gebe zu, dass ich auch Rechtschreibfehler nicht stehen lasse, wenn ich sie sehe.

2. Lücken füllen & Kontinuität überprüfen.

Je nachdem, wie intensiv ich in Schritt Eins bereits gelesen habe, überprüfe ich das Manuskript nun erneut auf Lücken, die ich bewusst offen gelassen habe. Das umfasst z.B. kleine Recherche-Aufgaben. Manchmal verschiebe ich in diesem Schritt auch bereits Szenen oder ändere die Namen der Charaktere.

3. Liegen lassen.

Diesen Schritt finde ich wahnsinnig wichtig. Mein Manuskript bleibt mindestens zwei Wochen liegen, bevor ich weiter daran arbeite. Manchmal dehne ich diese Zeit auch auf bis zu sechs Wochen aus. Das hängt davon ab, an welchen anderen Projekten ich gerade arbeite. In dieser Zeit gewinne ich Abstand zu der Geschichte und mit diesem Abstand kann ich objektiver in die nächste Überarbeitungsrunde gehen.

4. Gründlich lesen.

Jetzt kommt das echte erste Lesen. Die wirkliche erste Überarbeitung. Denn erst jetzt fallen mir Fehler im Plot, seltsames Verhalten der Charaktere und überflüssige Szenen auf. Ich achte außerdem auf die Lesbarkeit, versuche schon hier, komplizierte Sätze umzuschreiben und ich fühle mich noch einmal von außen in die Geschichte. Nun exportiere ich das Buch ins Word-Format und erstelle mit dieser Datei über Vellum eBooks und PDFs.

5. Testleserrunde 0.

Bei meinen ersten Büchern habe ich diesen Entwurf nun an meine Lektorin geschickt. Aber seit LARA III habe ich dieses Vorgehen etwas verändert. Es dürfen nun zunächst zwei bis drei andere Leser:innen in die Geschichte eintauchen. Diese geben mir so wertvolles Feedback, das sich meist von dem meiner Lektorin unterscheidet, dass ich das Buch noch etwas besser vorbereitet ins Lektorat geben kann. Die Testleser:innen erhalten das Buch im PDF-, ePUB- oder Kindle-Format

6. Testleserrunde 0 Feedback einarbeiten.

Dieses Feedback muss natürlich eingearbeitet werden. Nicht jede Kritik verarbeite ich, aber meist erhalte ich einen anderen Blick auf mein Buch, der selbst einige Änderungen verursacht.

7. Lektorat 1.

Nun geht das Manuskript an meine Lektorin, die es etwa zehn Tage lang auf Herz und Nieren prüft. Es ist in aller Regel sehr schmerzhaft, ihr Feedback zu lesen, denn natürlich findet sie Lücken und Unbeständigkeiten bei den Charakteren. Es ist unheimlich wichtig, diese Dinge zu lesen, denn sie trifft fast immer wunde Punkte, Themen, bei denen ich mir unsicher war, oder Dinge, die ich einfach immer falsch mache.

8. Lektorat 1 einarbeiten.

Auch hier verarbeite ich nicht alle Hinweise. Ich wäge gut ab, vergleiche mit der Meinung der ersten beiden Leser:innen und nehme einige Fragen mit in die nächste Testleserrunde.

9. Testleserrunde 1.

Ich rufe in meinem Newsletter zur ersten richtigen Testleserrunde auf, wenn das Buch im Lektorat ist. In der ersten Runde wähle ich zehn bis zwanzig Leser:innen, die meine Bücher mögen. Das ist wichtig, denn ich schreibe ja für sie und ihnen sollen die Bücher gefallen. Testleser :innen müssen immer deiner Zielgruppe angehören, denn was bringt dir die Meinung von jemandem, die Engel als esoterischen Quatsch abtut, wenn du ein Buch über spirituelle Themen geschrieben hast. Die Testleser:innen bekommen nach (!) dem Lesen etwa fünfzehn Fragen. Das sind die Dinge, über die meine Lektorin und ich uneinig waren, aber auch Punkte, bei denen ich selbst unsicher bin. Außerdem frage ich, wie sie das Buch zwischen meinen bisherigen Werken einordnen.

10. Testleserrunde 1 einarbeiten.

Ich sammle zunächst das Feedback aller Testleser:innen und beginne dann mit der Überarbeitung. Dafür habe ich einen eigenen E-Mail-Ordner. Ich sammle die Rückmeldungen dort und gehe dann eine nach der anderen durch. Auch hier achte ich stark auf mein Bauchgefühl. Manche Meinungen gleiche ich mit meiner Lektorin und den anderen Testleserinnen ab. Viel fließt in den nächsten Entwurf. Ich liebe diesen Teil, weil er das Buch um so vieles besser macht.

11. Lektorat 2.

Diese Runde nennt sich Feinlektorat. Letztendlich ist es aber einfach eine weitere Runde, in der meine Lektorin sich die Änderungen ansieht und natürlich findet sie auch weitere Details, die ihr beim ersten Lesen nicht aufgefallen sind oder nicht auffallen konnten, weil sie nicht die ganze Geschichte kannte. Auch diese Runde finde ich unheimlich wertvoll.

12. Lektorat 2 einarbeiten.

Das geht in der Regel schnell, denn es gibt selten Unstimmigkeiten an dieser Stelle. Manchmal überarbeite ich eine Szene intensiver, aber die meisten Anmerkungen gehen eher in diese Richtung: „Hier ist nicht klar, warum sie das sagt. Ein erklärender Satz dazu wäre gut.“

13. Testleserrunde 2.

Diese läuft ziemlich genauso ab wie die erste.

14. Testleserrunde 2 einarbeiten.

Auch hier gibt es kaum Unterschiede zur ersten Runde.

15. Letztes Lesen.

Dieser Teil ist für mich vor allem ein Schutzmechanismus. Ich möchte sichergehen, dass ich nichts Wichtiges aus Versehen gelöscht habe. Meist lese ich das Manuskript an dieser Stelle auf dem eReader. Das ist gemütlicher und näher am Leseerlebnis der Leserin. Ich kann mir dort außerdem Notizen machen und sie später am Computer einarbeiten.

16. Korrektorat.

Dieser Schritt ist so unfassbar wichtig, auch wenn es am Buch selbst nicht mehr viel zu verändern gibt. Sterneabzüge bei den Bewertungen wegen schlechter Rechtschreibung sind sowas von unnötig. Und wirklich: Du findest nicht einmal annähernd all deine Fehler. Auch nicht dann, wenn du selbst Lehrer:in bist.

17. Korrektorat einarbeiten.

Hier vertraue ich meiner Korrektorin blind. Ich kopiere die geänderten Kapitel einfach in Scrivener und schließe das Manuskript mit diesem Schritt ab. Nun habe ich einen Roman!


Die Liste ist wirklich lang, aber jeder einzelne Schritt ist in meinen Augen wichtig. Ich setze mich auf diese Weise sehr umfassend mit meinem Buch auseinander und auch wenn ich es selbst nur wenige Mal komplett lese, ändere ich einiges über die einzelnen Phasen hinweg. Für mich ist das Feedback von außen essentiell. Es muss ehrlich sein, sonst kann ich damit nichts anfangen. Was bringt es mir, wenn mir jemand sagt, wie toll meine Bücher sind, aber eigentlich mehrere Sachen daran auszusetzen hat? Beim Kochen mögen viele Köche den Brei verderben. Bei Büchern sehe ich das anders. Nur auf diese Weise erkenne ich die Schwächen des Manuskriptes. Wenn nur ein:e Leser:in Probleme mit dem Verhalten der Protagonistin hat, ist das nicht schlimm. Sagen vierzehn, dass sie einfach nicht mit ihr warm werden, muss ich mich intensiv mit meinem Charakter auseinandersetzen.

Bei der Überarbeitung geht es nicht nur um Füllwörter und Rechtschreibung. Erst ganz zum Schluss wird dies wirklich wichtig. Die Überarbeitung macht deine Geschichte besser, deine Protagonisten authentischer und dein Leben leichter. Denn ein gut überarbeitetes Buch wird mehr Leser finden, die es mögen. Es sei denn natürlich, du schreibst über ein sehr polarisierendes Thema. 😉

Danke, dass du (hier) liest.
Alles Liebe, Andrea

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