SEI BESTSELLER-AUTOR:IN

Wie läuft eigentlich ein Lektorat ab?

Manche glauben, dass ein Lektorat dem Buch seine Seele nimmt. Aber für professionelle Autor:innen gehört es genauso dazu wie das Impressum.
Doch wie läuft so ein Lektorat eigentlich ab?

Vorbereitung.

Gehen wir erst einmal einen Schritt zurück. Das Manuskript muss vernünftig vorbereitet sein. Das bedeutet, dass du dich um die folgenden Punkte gekümmert hast.

  • Du hast deinen Entwurf mindestens (!) einmal selbst gelesen.
  • Du hast alle Recherche Punkte eingearbeitet.
  • Du hast  eine elektronische Rechtschreibprüfung durchgeführt.
  • Deine Szenen sind alle an ihrem für dich richtigen Platz.
  • Du hast alle deine Fragen und Notizen eingearbeitet und geklärt.

Dein:e Lektor:in sollte ein gut vorbereitetes Manuskript von dir bekommen. Warum? Das ist einfach: Nur dann kann sie sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren. Wenn sie abgelenkt ist von extrem vielen Rechtschreibfehlern oder größeren Lücken, kann sie das Buch nicht fließend lesen und wird es viel schwerer haben, in die Geschichte hineinzufinden. Genau wie du, wenn du in einem Buch immer wieder Fehler findest. Natürlich werden immer noch viele Fehler im Manuskript sein. Sonst bräuchtest du ja niemanden, der es für dich liest. Dennoch ist jede Unebenheit, die selbst glatt bügelst, hilfreich und wird dein Buch besser machen.

Testleser vor dem Lektorat

Ich lasse das Manuskript von ein bis drei Personen lesen, bevor ich das Manuskript an meine Lektorin übergebe. Auf diese Weise können sehr offensichtliche Fragen, die nicht nur dem sehr geschulten Auge auffallen, vor dem Lektorat geklärt werden.

Vielleicht denkst du dir jetzt, dass du deine Lektorin ja dafür bezahlst, dass sie all diese Dinge findet. Das stimmt. Aber du putzt dir ja auch die Zähne, bevor du zur Zahnreinigung gehst oder sortierst den Abfall, bevor die Müllabfuhr kommt. Deine Lektorin findet deutlich leichter zum Kern der Geschichte und zu den Problemen, die dein Buch davon abhalten, großartig zu sein, wenn du ihr bereits ein sehr gut vorbereitetes Manuskript überreichst. Ihr arbeitet zusammen. Dies ist einer der wichtigsten Punkt überhaupt. In erster Linie bist du für deine bestmögliche Leistung verantwortlich. Je mehr Mühe du dir von Anfang an gibts, desto besser wird das Endresultat. Also, das fertige Buch.

Termine für die Lektoratsrunden vereinbaren

Aber wie geht es dann weiter? Zu aller erst, und das machst du bereits Wochen, manchmal Monate im Voraus, besprichst du mit deiner Lektoren den Terminplan für das Lektorat.

Mit meiner Lektorin habe ich drei große Termine oder Zeiträume, die wir festlegen müssen. Das ist das erste Lektorat, in dem große Probleme aufgeschlüsset werden, dann das zweite Lektorat, in dem sie schaut, inwiefern ich ihre Anmerkungen umsetzen konnte. Und dann folgt noch das Korrektorat, das man durch aus von einer anderen Person durchführen lassen kann und gegebenenfalls auch sollte. Das hängt sehr von dir selbst, aber auch von deiner Lektorin ab. Wenn ihr beide mit der deutschen Rechtschreibung auf dem Kriegsfuß steht, macht es Sinn, eine weitere Person hinzuzuziehen, die sich um Kommata und Tippfehler kümmert.

Tipp 1: Wenn du eine sehr beschäftigte Lektorin hast, solltest du die Termine lange im Voraus planen. Ich habe schon jetzt im April Termine für November festlegen müssen. Denke daran, dass Lektor:innen auch Familie haben, Urlaub machen und am Wochenende ihre Freizeit genießen möchten.

Tipp 2: Am Anfang, wenn du noch unsicher bist, wie lange du brauchst, um dein Manuskript fertig zu stellen, kannst du auch mit Lektor:innen zusammenarbeiten, die selbst gerade erst anfangen. Sie sind nicht so ausgebucht und flexibler. Du findest sie in den sozialen Medien unter hashtags wie #lektorin #lektor.

Erste Lektoratsrunde

Wenn ihr die Termine besprochen habt und du dein Manuskript fertig vorbereitet hast, schickst du es an deine:n Lektor:in in einem Format, dass für euch beide passt. In aller Regel ist das das MS Word-Format. Sie wird ein paar Wochen brauchen, um den Text zu lesen, ihre Kommentare zu notieren, selbst darüber nachzudenken, was sie stört und was sie gut findet, für dich zusammenzufassen, was sie dabei herausgefunden hat und alles an dich zurück zu schicken.

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen bei Lektoraten. Ich weiß, dass es Autorennen gibt, die Kapitel für Kapitel an ihre Lektor:innen senden. Ich kann das nicht, weil ich immer wieder auch Dinge ändere, die am Anfang des Buches stehen, selbst wenn ich bereits im 50. Kapitel bin. Aber, besonders wenn man sein Buch detailliert plant, kann es viel Sinn machen diesen Weg zu gehen, weil ihr die Buchdetails zusammen entwickeln könnt und es jemanden gibt, der mit dir gemeinsam auf Plot-Ungereimtheiten achtet.

Ich arbeite so:

Meine Lektorin geht den Text Stück für Stück durch. Ich habe dir hier mal eine Beispiel Seite aus meinem Roman „Vielleicht war es Liebe“ hochgeladen, wo du erkennen kannst, wie rot so ein Lektorat aussehen kann. Als Autorin erwarte ich natürlich immer, dass meine Lektorin nichts (!) findet, was es zu beanstanden gäbe. Ich habe es schließlich auch schon gelesen und es haben Testleser:innen darüber geguckt.

Aber, um ehrlich zu sein, es gibt sehr, sehr, sehr selten eine einzige Seite in meinen Skripten, auf denen ich keine Anmerkungen von Jona finde. Und wenn ich meinem Ego nach dem ersten Schock erklärt habe, dass das gut ist, weiß ich auch wieder, dass ich sie ja genau dafür bezahle. Denn je mehr Anmerkungen ich vorfinde, umso besser kann mein Text am Ende sein. Natürlich bin ich nicht mit jeder einzelnen Anmerkung zufrieden oder kann sie nachvollziehen, aber das ist auch gar nicht wichtig. Ich gleiche die Kritik mit dem ab, was ICH von dem Buch will. Und fast immer gleicht sich das mit den Zielen meiner Lektorin.

Probelektorat (ja, das müsste eigentlich früher kommen)

Und das ist ein sehr wichtiger Aspekt des Lektorates. Du musst vorher für dich selbst entschieden haben, welches Buch du schreiben möchtest. Nur dann kannst du herausfinden, ob die Lektorin zu dir passt. Dazu machst du ein Probe-Lektorat, in dem du erkennen solltest, ob sie deinen Stil und dein Genre mag und ob sie versteht, was du schreiben möchtest. Wenn dein Lektor etwas ganz anderes von deinem Buch erwartet als du, ist eine Zusammenarbeit schwer. Wenn er aber weiß, welche Geschichte du schreiben möchtest, wie diese Geschichte beim Leser ankommen soll, dann kannst sie dir konstruktive Kritik und sehr wertvolle Tipps geben.

Überarbeitung

Wenn du das Manuskript aus dem ersten Lektorat zurück erhalten hast, gehst du es Seite für Seite, Zeile für Zeile, Wort für Wort durch. Manchmal sind es nur Sätze, die umgestellt werden müssen, weil sie so, wie sie jetzt dort stehen, keinen Sinn ergeben. Manchmal musst du aber auch eine komplette Szene umschreiben oder rausnehmen oder in vielen einzelnen Szenen Details ändern. Manchmal musst du dir über die fundamentalen Eigenschaften und das Verhalten eines Charakters Gedanken machen. Manchmal musst du Plotholes stopfen. Wie bereits gesagt, du wirst nicht jeden einzelnen Hinweis als Anlass dafür nehmen, dein Buch zu ändern. Aber, was du wirklich verstehen musst, ist, dass die Kritik eines Lektors kein persönlicher Angriff auf dich als Autor:in ist.

Vielleicht denkst du dir jetzt, ja natürlich nehme ich das nicht persönlich. Aber bei dem eigenen Buch kann es sich tatsächlich so anfühlen, nicht auf der ersten Seite, aber wenn du auf Seite 50 angekommen bist, und an dieser Stelle bereits 300 verschiedene Kritikpunkte hast lesen müssen, wird diese Kritik an dir kratzen. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm, denn ein Buch ist schließlich nichts, was wir sachlich niederkritzeln, ohne etwas von uns selbst zwischen den Zeilen zu hinterlassen. Wenn das so wäre, hättest du vermutlich noch viel mehr Anmerkungen von deinem Lektor.

Ein guter Lektor sagt ihr deshalb auch, was ihm oder ihr gut gefallen hat. Es ist wichtig, dass du nicht nur negative Punkte in Lektorat findest, aber es werden deutlich mehr kritische Anmerkungen sein als positive, mehr Verbesserungsvorschläge als Lob.

Lektorat einarbeiten

Bevor ich das Lektorat einarbeite, lese ich jeden einzelnen Kritikpunkt. Denn so kann mein Gehirn schon anfangen zu arbeiten, sich Gedanken machen, Lösungen finden und darüber klar werden, ob ich diese Kritik nachvollziehen kann oder nicht. Hier ist es sehr hilfreich, wenn du das Manuskript zeitgleich an Testleser übergibst, die du fragen kannst, wie er oder sie einen bestimmten Kritikpunkt findet, ob er oder sie verstehen kann, wie das gemeint ist, wenn du es selbst nicht kannst.

Wenn du diesen Schritt gegangen bist, wenn du in etwa weißt, welche Baustellen dein Manuskript noch hat, dann kannst du anfangen, die Kritik einzuarbeiten. Und hier versuche ich, Baustellen, die sich über das gesamte Manuskript ziehen, als erstes anzugehen. Denn ich hasse sie. Ich hasse es, Änderungen an mehreren stellen im Manuskript vorzunehmen, weil ich immer Angst habe, etwas zu übersehen. Aber genau dafür gibt es das zweite Lektorat und bei mir eine weitere Testleserinnen-Runde, die direkt an das erste Lektorat anschließt.

Die ganzen kleineren Änderungen arbeite ich dann Schritt für Schritt, Seite für Seite, ein. Oft ist es so, dass meine Lektorin Sätze und Beschreibungen findet, bei denen ich mich frage, wer sie geschrieben hat. Sie sieht so viel klarer durch meine Worte, dass ich ihr fast auf jeder Seite wahnsinnig dankbar bin und mich selbst ein bisschen schäme. Deswegen sind die positiven Kommentare und das Gesamt-Feedback so wichtig.

Gute Lektor:innen spüren dein Buch

Meine Lektorin spürt das Buch. Sie spürt, ob ich Charaktere tief genug beschrieben habe, ob das Buch glitzert, ob ich Orte ausreichend oder zu viel geschrieben habe. Und hinterher, wenn ich alle Anmerkungen, die ich nachvollziehen konnte, eingebunden habe, fühlt sich das Buch für mich um so vieles runder an. Und auch wenn ich beim ersten Entwurf noch dachte, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass überhaupt etwas findet, fühlt sich dieser Erste Entwurf nach der Lektoratsrunde als das an, was er ist. Ein rohes, unfertiges Manuskript.

Das ist wichtig für die folgenden Bücher, die du schreibst. Denn wenn du dir im Klaren darüber bist, dass deine ersten Entwürfe nicht perfekt sind, dann schreiben sich diese ersten Entwürfe auch viel lockerer. Zumindest ist es bei mir so.

Blabla: Der erste Entwurf taugt nichts

Es ist oft geschrieben und gesagt worden, aber der erste Entwurf ist immer Mist. Das ist einfach so. Es wäre seltsam, wenn es nicht so wäre. Deswegen lass dich darauf ein. Lass dich darauf ein, dass jemand anderes dir die Dinge aufzeigt, die dein Buch davon abhalten, großartig zu sein.
Im zweiten Lektorat findet deine Lektorin vermutlich immer noch Dinge, die sie entweder beim ersten Mal übersehen hat oder die durch Änderungen von dir zustande gekommen sind.

Vielleicht habt ihr auch über manche Dinge gesprochen, vielleicht ist einer Testleserin etwas aufgefallen, das sie nun genauer unter die Lupe nehmen kann. Nimm auch diese Anmerkungen sehr ernst und ordne sie in deinen eigenen Kontext ein, in deine eigene Vorstellung von deinem Buch. Auch nach dieser Lektoratsrunde kannst du wieder eine Testleser-Runde einbinden, um deine Änderungen einem Praxistest zu unterziehen. Was folgt, ist das Korrektorat. Da setze ich immer nach der letzten Testleser-Runde an, denn ich weiß, dass meine Testleserinnen neben weiteren Kritikpunkten auch viele Rechtschreib- und Komma-Fehler finden.

Korrektorat

Jetzt kann man natürlich wieder sagen, dass dafür doch das Korrektorat zuständig ist. Und das ist auch richtig so. Aber auch im Korrektorat findet deine Korrektorin die wirklich fiesen und schlecht erkennbaren Fehler, wenn sie weniger Ablenkung durch die offensichtlichen hat. Aber auch nach dem Korrektorat lasse ich noch ein bis zwei Leute, von denen ich weiß, dass sie sehr genau lesen, auf Fehler achten.

Und das war es. Das ist der ganze SpukDas Lektorat ist durch. Dein Buch darf nun raus in die Welt!

Was denkst du? Brauchen Bücher ein Lektorat? Denn es gibt durchaus Romane, die ohne Überarbeitung durch dritte ihren Weg in die Bestsellerlisten finden.

Danke, dass du hier liest.Alles Liebe, Andrea

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