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Ich muss [ mindset ]

Ich möchte dich heute zu einem kleinen Experiment einladen und am Ende dieses Blogs erhältst du auch eine Aufgabe. Aber dazu später mehr. Also pass auf, ich möchte, dass du den folgenden Satz laut vor dich hinsprichst:

Ich muss jetzt das Essen zubereiten.

Schließ kurz die Augen (wenn du diesen Absatz zu Ende gelesen hast) und spüre in dich hinein. Wie fühlt sich das an? Denke ruhig einen Moment länger darüber nach.

Bist du wieder da?

Dann mach jetzt das gleiche mit diesem Satz:

Ich möchte jetzt das Essen zubereiten.

Halte wieder kurz inne und fühle den Worten nach.

Und jetzt noch ein dritter Satz:

Ich darf jetzt das Essen zubereiten.

Oder dieser:

Ich kann jetzt das Essen zubereiten.

Vielleicht denkst du jetzt, die Sätze hätten doch aber alle eine andere Bedeutung. Und damit hast du vollkommen recht. Genau das ist der Punkt. Nehmen wir die Sätze mal auseinander. Der Grundgedanke von jedem einzelnen ist es, dass wir jetzt das Essen zubereiten werden. Offenbar ist das unumstößlich. Doch welche Wirkung dieser Grundgedanke auf uns hat, hängt von den anderen Worten im Satz ab.

Ich muss …

… bedeutet, irgendjemand hat bestimmt, dass ich jetzt dazu verpflichtet bin. Vielleicht sogar ich selbst. Ich sage mir also selbst, dass ich jetzt keine andere Wahl habe und auch, dass ich eigentlich lieber etwas anderes tun würde. Denn wenn ich etwas tun muss, habe ich keinen Raum für andere Dinge. Ich verzichte auf etwas, obwohl ich nicht darauf verzichten will.

Und auf der anderen Seite kann ein muss auch total frei verstanden werden. Denn anders als ich werde jetzt kochen, impliziert müssen ja nur, dass ich die Verpflichtung dazu habe. Halte ich sie wirklich ein, ist noch nicht sicher. Kinder müssen ihr Zimmer aufräumen. Mehr brauche ich hier wohl nicht zu sagen.

Es ist also nicht bindend, aber wir spüren trotzdem die Verpflichtung. Total kompliziert, oder? Und genau in diesem Disput stehen auch unser Kopf und unser Herz.

Ich möchte …

… ist genau das Gegenteil. Ich habe mich dazu entschieden, Essen zu kochen. Ich freue mich darauf. Nun magst du sagen, dass du deine Zeit wirklich nicht gern mit dem Kochen verbringst und viel lieber Bücher schreiben möchtest. Das kann ich absolut verstehen. Deswegen funktioniert möchte auch nicht immer. Aber wenn es funktioniert, wenn dieses Wort zu deinem Grundgedanken gehört, wirst du spüren, mit welchem Mehr an positiver Energie du an dein Tun herangehst. Ich möchte setzt dich in den aktiven Modus. Du entscheidest. Ich muss dagegen ist passiv. Du unterwirfst dich und schlüpfst in eine Opferrolle.

Ich darf …

… sagt aus, dass es ein Privileg ist. Vielleicht bist du die einzige Person in deinem Haushalt, die sich um das Essen kümmert, und hältst es deshalb für alles andere als einen Vorteil zu kochen. Aber wenn du darüber nachdenkst, wie viele Menschen auf der Welt nicht den Luxus einer eigenen Küche haben, ist es doch ein großes Privileg, warme Speisen zubereiten zu können, die gesund sind und dir schmecken.

Vielleicht kannst du auch dankbar dafür sein, dass du dir überhaupt die Zeit zum Kochen nehmen kannst, weil sich dein Mann um die Wäsche kümmert oder du früher von der Arbeit nach Hause kommst. Auch ich darf ist eher passiv. So als würde uns jemand erlauben, zu kochen.
Finde selbst heraus, ob sich dieser Gedanke gut für dich anfühlt. Letztendlich bist du es selbst, die ihr Leben dirigiert. Wenn du dir also erlaubst, deine Zeit mit dem Zubereiten eines leckeren Essens anstatt anderer Dinge zu verbringen, ist es doch wieder eine aktive Entscheidung.

Ich kann …

… ist irgendwie eine Mischung aus ich darf und ich möchte. Und ich finde die Formulierung sehr kraftvoll. Einerseits ist klar, dass du dich auch anders entscheiden könntest. Etwas zu essen bestellen, den Kühlschrank plündern, die Aufgabe abgeben, fasten. Es gibt für fast alles Alternativen.

Und das Wort können hat noch eine weitere Bedeutung. Es sagt aus, dass wir zu etwas fähig sind. Denke zurück, zehn, zwanzig Jahre oder mehr (oder weniger). Wärst du zu dieser Zeit in der Lage gewesen, dein eigenes Essen (oder das für eine ganze Familie) zu kochen?
Ich kann ist also eine absolut aktive Entscheidung.

Und jetzt?

Wenn du während dem Lesen der letzten Absätze etwas gespürt, dich vielleicht wiedererkannt hast, dann lies weiter.

Wir setzen uns ständig unter Druck. Ständig erwarten wir etwas von uns, beugen uns den Erwartungen anderer, oder noch schlimmer: Wir beugen uns den Erwartungen, von denen wir glauben, dass andere sie an uns hätten. Dabei entsteht das Gefühl, etwas tun zu müssen.

Auch in meinem Sprachgebrauch findet das Wort müssen viel zu häufig Verwendung. Dann, wenn ich unbewusst vor mich hin rede. Wenn ich nervös bin oder gestresst und nicht darauf achte, mit welchen Worten ich meine eigene und die Stimmung anderer beeinflusse.

Ich arbeite gerade sehr daran, diese Unbewusstheit aufzulösen und wenn du all das hier nachvollziehen kannst, dann habe ich eine kleine Aufgabe für dich. Es ist egal, ob du dir dafür fünf Minuten, zwei Stunden, einen ganzen Tag oder eine Woche Zeit nimmst.

Aufgabe

Also, ich möchte, dass du darauf achtest, in welchen Moment du das Wörtchen muss verwendest. Schreib es dir auf und fühle in dich hinein, was es mit dir macht, wenn du auf diese Weise an Aufgaben und den Alltag herangehst. Und dann versuche alternative Formulierungen zu finden. Wie fühlen sich diese an? Komisch? Wahrscheinlich, denn du bist es nicht gewohnt, sie zu verwenden. Aber vielleicht auch leichter? Positiver? Schreib auch das auf. Vielleicht nimmst du dir ein paar Minuten Zeit, deine Gedanken zu notieren, selbst zu reflektieren, ob du meine Gedanken nachvollziehen kannst oder nicht.

Und dann kannst du nach und nach versuchen, die neuen Formulierungen in deinen Alltag einzubauen. Sieh zu, wie andere darauf reagieren. Vielleicht erklärst du es ihnen. Auch Kinder verstehen es, wenn du ihnen erklärst, dass es ein Privileg ist, zur Schule zu gehen. Oder abends in ein warmes Bett zu fallen.

Ich bin sehr neugierig. Schreib mir deine Erfahrungen. Teile mit mir, was du fühlst und denkst. Auch dann, wenn du es nicht nachvollziehen kannst.
Und das Wichtigste: Mach dir keinen Druck. Gehe spielerisch mit deinem Wachstum um.

Was das mit dem Schreiben zu tun hat?

Nun, wenn du dich von dem Gedanken löst, dass du hundert andere Dinge tun musst, nimmst du dir vielleicht mehr Zeit für die Dinge, die du tun willst. Wie zum Beispiel das Schreiben. Und wenn du immer das Gefühl hast, schreiben zu müssen, hast du vielleicht jetzt erkannt, dass dich dieses Pflichtgefühl vielleicht sogar aktiv davon abhält, in dem es dich passiv unter Druck setzt, aber auch nicht an die Aufgabe bindet.

Danke, dass du (mich) liest!

Alles Liebe

/Andrea

PS/ Zum Thema kochen wurde mir gerade noch ein Witz erzählt:
Zwei Jungs kommen spät nach Hause.Sagt der eine: „Mein Vater kocht sicher vor Wut.“Sagt der andere: „Hast du ein Glück. Ich bekomme jetzt nichts mehr zu essen.“

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