SEI BESTSELLER-AUTOR:IN

Deadlines sind einfach nur konkrete Ziele.

In der Uni habe ich Abgabetermine gehasst. Sie haben so einen Druck aufgebaut und irgendwie auch einen Sog. Sie erschienen mir unfair, lagen meist zwischen anderen Prüfungen und überhaupt – es war nie genug Zeit.

Ich habe mir deshalb keine Deadline gesetzt, als ich „Wenn du wieder gehst“ geschrieben habe. Auch keine fürs Überarbeiten. Nur das Veröffentlichungsdatum (in weiter Ferne) war irgendwann klar.

Ich kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, dass das der Grund war, aber dieses Buch hat vier Mal so viel Zeit beansprucht wie alle, die bisher gefolgt sind. Also, natürlich liegt es auch daran, dass ich mehr Erfahrung habe und so. Aber ganz sicher hat es auch etwas damit zu tun, dass ich mir selbst gesagt habe, wann ich mit etwas fertig sein will.

Denn um ehrlich zu sein, habe ich mir viel Zeit gelassen, die das Buch und ich nicht gebraucht hätten. Das lag an meinem Perfektionismus. Wenn man dem unbegrenzte Zeit gibt, mutiert er zu einem immer größeren Monster, das alles verschlingen will und überhaupt nicht einsehen möchte, dass etwas irgendwann gut genug ist.

Aber wenn er sich einer Deadline unterwerfen muss, akzeptieren er und wir, dass unser Buch irgendwann so fertig ist, wie es eben sein kann. Nicht perfekt, nein, aber doch so gut, dass es in die Welt hinaus darf.

Das Wort Deadline beschreibt also die Linie, an der der Perfektionismus stirbt. Wie schön!

Mein erstes Buch habe ich zwanzig oder dreißig Mal überarbeitet (zum Glück weiß ich das nicht mehr so genau. Das wäre echt peinlich.). Inzwischen sind es acht Runden. Immer noch viel, ja, aber ich lese nicht mehr jedes einzelne Wort in jeder Runde. Das mache ich nur drei Mal. Dafür habe ich in den anderen Runden dank meiner Deadlines nämlich gar keine Zeit. Das heißt, ich setze mir Deadlines, um mir die Zeit nicht nehmen zu müssen. Um sie für andere Dinge zu haben. Um schneller voranzukommen.

Danke, dass du (mich) liest.

/Andrea

/PS dies ist ein Auszug aus meinem Buch 108 Dinge, die ich vor dem Schreiben meines ersten Buches gern gewusst hätte.

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